Aufgrund eines Kundengespräches gestern Nachmittag, möchte ich hier einmal eine kurze Zusammenfassung dazu geben was ein Serverausfall kosten kann. Ich möchte dabei bedenken das die Kosten die hier auftauche nicht für jedes Unternehmen zutreffen, sehr wohl aber verdeutlichen kann welcher Schaden entstehen kann, wenn man seine Server und auch Clients nicht zur „inspizieren“ lässt.
Zu aller erst ging es um einen Inspektions-Vereinbarung für Server und Clients, daraufhin bekam ich zu hören das dieses beim Kunden nie eintrifft und wenn der Schaden nur minimal wäre. Grundlage der Berechnung sind ganz einfach Zahlen, die wir dann mal zusammenaddiert haben.
Kunde mit 3 Servern (Anwendung/Exchange/AD), 15 Clients und 3 Mitarbeiter mit Laptops inkl. Externen Zugang zu Anwendungen. Wir sind jetzt nur einmal davon ausgegangen das der AW Server nicht mehr funktioniert – RAID kaputt, Server – kaputt was auch immer!
Wir sprechen hier von reinen Ausfallkosten, evtl. Kosten für die Hardware habe ich einfach mal nicht mit einbezogen.
Szenario: Mitarbeiter kommen morgens zur Arbeit und wollen loslegen, doch die Anwendung lässt sich nicht starten. IT-Call beim Systemhaus geht ein und ein Techniker fährt sofort raus zum Kunden! Hier wird also auch angenommen das ein Techniker sofort Zeit hat!
Techniker stellt fest das der AW Server kaputt ist, vom RAID war schon eine Platte defekt und die andere ist nun auch gehimmelt. Aufgrund von fehlenden Serviceverträgen ist der erste Festplattendefekt nicht aufgefallen, ich denke ein Szenario was nicht von sonst woher gegriffen ist. Die Backupbänder sind 5 Jahre alt und es wurde nie eine Desaster-Recovery Simulation durchgeführt. Eine Rücksicherung des Images auf neue Festplatten ist nicht mehr möglich, weitere Sicherungen gab es nicht. IT Techniker veranschlagt 2 Tage für die Instandsetzung, was schon sehr brav kalkuliert ist. 2 Tage wo Mitarbeiter keinen Zugriff auf die Anwendung haben. Email und Co gehen noch. (Häufig ist es so das auf dem AD oder auf dem AW Server ja auch der Exchange läuft, bei KMUs, hier habe ich das einfach mal raus genommen, um trotzdem zu zeigen was für ein Schaden entsteht!)
15 Mitarbeiter können nicht normal arbeiten, die externen lasse ich mal weg die können den Vertrieb mündlich aufrecht erhalten und was für die Kundenbindung tun
Ich habe nur den netto Arbeitslohn berechnet, also eine ganz Simple Kostenanalyse, der tatsächliche Schaden ist da natürlich höher. Stundenlohn pro Mitarbeiter pauschal 20 Euro netto. Von den 15 Mitarbeitern können 5 Ware einräumen oder sonstige Tätigkeiten verfolgen. 10 Mitarbeiter sitzen mehr oder weniger rum. Macht pro Stunde 200 Euro/netto, macht am Tag 1600 Euro und in 2 Tagen 3200 Euro/netto. Der Techniker kostet 640 Euro/netto pro Tag, also für 2 Tage 1280 Euro/netto.
Hier haben wir schon einmal kosten von insgesamt 4.480 Euro/netto. Und das ist wirklich sehr großzügig veranschlagt. Aufträge können nicht bearbeitet werden, Angebote nicht geschrieben, Auftragsbearbeitung liegt still. Aktuell laufende Projekte können nicht betreut werden, hier einen Schaden zu beziffern ist sehr schwer, hinzukommt der Image Schaden der hier entsteht.
Noch einmal: Nur an Arbeitskosten entstehen bei 2 Tagen 4.480 Euro! Je nach Betrieb kann man da noch einmal eine 0 dranhängen, aber hier ging es nur um Arbeitslohn und Lohnkosten die man umsonst zahlt. Reines IT-Monitoring inkl. ein paar nette Zusatzfeatures hätten den Kunden ca. 286,50 Euro/netto pro Monat gekostet (ohne Servicestunden) – Beim Monitoring wäre der Ausfall der Festplatte schon früh erkannt worden, ein Serverausfall wäre sehr unwahrscheinlich. Also 16 Monate IT-Monitoring an 2 Tagen verbraten, sauber sag ich da.
Ich kann nur noch einmal betonen, dass die Ausfallkosten wesentlich höher sind – hinzu kommt das bei kleinen Betrieben häufig alles auf einem Server läuft. Hardware Kosten sind hier auch nicht dabei und mit 2 Tagen ist man mehr als gut bedient. Je nach AW geht da einiges mehr den Bach runter bis alles wieder OK läuft. Die Daten haben evtl. auch keinen aktuellen Stand mehr etc. Ich denke jeder versteht was hier auf dem Spiel steht.
Jeder bringt sein Auto in die Inspektion, oder jeder hat eine Feuerschutzversicherung – auch wenn man weiß das es wohl nie brennen wird. Bei der IT geht man immer davon aus, zu mindestens die meisten Kunden, dass alles brav läuft – ohne etwas dafür zu tun. Ich kann aus Erfahrung sagen das wir so häufig die Feuerwehr spielen mussten, weil Kunden der Meinung waren „Uns trifft das ja nicht!“ – Das ist wie mit der Steuerprüfung vom Finanzamt, irgendwann trifft es jeden Selbstständigen!
Ein kleinerer Betrieb (1 Server und 4 Clients) hat uns mal angerufen und da war der ganze Server hin, keine Datensicherung kein Backup – NIX. Der Chef war etwas am Boden zerstört und bezifferte den Schaden auf mehrere 100.000 Euro. (Kundendaten, Firmendaten, Projektdaten etc.)
Etwas positives hat das ganze auch, wenn es mal bei einem Kunden schief gelaufen ist, ist dieser ganz anders eingestellt im Bezug auf Wartung der IT. Wir werden in der Regel ja immer abgestempelt Geld drucken zu wollen, aber wenn man mal ehrlich ist, kann kein Betrieb mehr ohne IT leben und wir leben von der IT, nur weil wir jetzt dafür Sorge tragen wollen, dass es nicht zu einem Ausfall kommen muss sind wir doch keine Abzocker. Manchmal fühlt man sich wie ein Versicherungsvertreter